Mit welchen Bilderwelten treten exemplarische Großunternehmen im Web auf? Was sind austauschbare Bilderwelten und welche Trends beim Einsatz von Bildern gibt es aktuell im Web? Diese Folge der Reihe „Bilderwelten im Web“ gibt einen Überblick über den Status quo, zumindest einen kleinen Ausschnitt:
Bilder bei Großunternehmen

Zuerst ein Blick auf einige Großunternehmen. Aufgrund ihrer Präsenz in den verschiedensten Medien (Printanzeigen, Fernsehwerbung etc.) sind ihre Kommunikationsauftritte bekannt, da allgegenwärtig. Die Kampagne „Print wirkt“ des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger führt seit Jahren vor, wie einprägsam markante Bilderwelten sein können. Voraussetzung dafür ist aber ein entsprechend häufiger Kontakt mit den Motiven durch Werbung (Print und TV), oft sogar über viele Jahre hinweg. Mal schauen, wie es bei den Online-Auftritten ausschaut:
Wempe

Großformatige Bilder, die die Atmosphäre der Wempe-Kommunikation nahtlos aufnimmt, aber auch ohne Kenntnisse der Werbeanzeigen einwandfrei funktioniert. Die Webseite ansonsten wirkt zwar nicht mehr ganz taufrisch, aber darum geht es hier ja heute nicht!
Wempe
Ratiopharm

Rationpharm, gute Preise, gute Webseite? Auf jeden Fall keine guten Bilder! Die Klischee-Zwillinge tauchen nur im Content pixelweise auf. Was ja nicht weiter schlimm wäre, wären die anderen im Header eingesetzten Bilder auch nur ansatzweise markant oder individuell. Aber hier wurde wohl eher Wert darauf gelegt, dass eine Flash-Animation drin ist… Chance verpasst!
Ratiopharm
Ergo

Nein, bei den eingesetzten Bildwelten geht es weder um die in der Werbung vielbeworbene Zahnzusatzversicherung, noch um die zweifelhaften Vertriebsausflüge des Ergo-Vorgängers Hamburg-Mannheimer. Es sind zwar nette Fotos, der Bezug zu Ergo findet aber alleine durch die organischen Formen statt. Immerhin…
Ergo
Jever

Die Umsetzung der Webseite überzeugt zwar nicht, aber das Jever-Land ist sofort zu erkennen. Und das noch in verschiedenen Varianten. Bildwelt top!
Jever
Lufthansa

Ich muss zugeben, die Lufthansa-Anzeigen waren mir erstmal nicht geläufig, obwohl doch irgendwie schon oft gesehen. Aber die Prinzenrolle in Indien auf der Startseite machts da auch nicht besser. Schade!
Lufthansa
Telekom

Da wurde schon der seit Jahren durchs Netz geisternde und immer wieder begeisternde Tilt-Shift-Effekt für die Werbung ausgenutzt, aber auf der Website ist davon leider nichts zu finden. Überhaupt scheint man den Einsatz von Bildwelten anderen zu überlassen. Schade!
Telekom
Edeka

Die Schiefertafeln hat sich Edeka ja zu eigen gemacht, der Rest ist dann ein Potpourri an bunten Bildern. Warum eigentlich?
Edeka
Krombacher

Ich weiß auch nicht warum, aber immer wenn ich die Aggertalsperre sehe, muss ich immer an „Rot vor Silber“ denken. Egal. Die Bilderwelt erscheint zwar irgendwie unscharf, aber wiedererkennbar. So sollte es sein!
Krombacher
Hermes

Hat Hermes eine Bilderwelt? Schaltet Hermes überhaupt Anzeigen? Zumindest das Image könnte besser sein! Egal, das blaue Paket funktioniert super. Sehr hohe Wiederkennung und vielseitig einsetzbar. Geht doch!
Hermes
Postbank

Ein Haufen moderner Bilder, keines mit Wiedererkennungsfaktor. Wenigstens die Farben zeigen einem, mit wem man es hier zu tun hat!
Postbank
Deutsche Bahn

Die Bahn kommt — mit Klischeebildern. Leider nichts eigenes. Schade!
Deutsche Bahn
Fazit Bilderwelten Großunternehmen
Dieser nicht repräsentative Überblick zeigt, dass die Thematik & Bedeutung einheitlicher Bidlerwelten noch nicht wirklich bei den Unternehmen angekommen ist. Offline-Kommunikation und Webseite spielen da noch zu selten Ping-Pong. Ich würde meinen: verschenktes Potential!
Austauschbare Bilderwelten – Fluch & Segen der Bildkataloge
Allgemeine Unternehmensbilder auf Webseiten sind zu oft austauschbar, gerade wenn — oder besser weil — sie aus Bildkatalogen stammen. Für geringe Kosten bekommt man hier professionelle Fotos ohne groß eingeschränkte Nutzungsrechte. Im Vergleich zu früheren Jahren als gedruckte Bildkataloge stundenlang gewälzt wurden, um dann erst die Nutzungsrechte und damit die Kosten zu klären, ein Segen. Als Folge tauchen die ausgewählten Bilder dann aber nicht nur auf der eigenen Seite auf, sondern gleich auf mehreren. Denn fast jedes Unternehmen hat die Idee / Vorstellung von Bildern „mit jungen fröhlichen gutaussehenden Menschen, die nett zuammen vor dem Laptop sitzen und gemeinsam surfen oder ein entspanntes Meeting halten“ oder ähnliches. Man könnte fast meinen, fernab jeglicher Realität! Aber egal, hier wird es eh zum Fluch, denn mit Eigenständigkeit & Wiedererkennungeffekt haben diese Bilder auch selten was zu tun.
Unterscheiden sollte man dann hier das Einsatzgebiet dieser austauschbaren Bilderwelten. Im Header als Erkennungsmerkmal finde ich solche Bilder deplatziert. Hier sind sie in meinen Augen Fluch, zwar kann sicher je nach Motiv eine hohe Emotionalisierung erreicht werden, aber eben keine hohe Wiedererkennung oder Differenzierung. Siehe den Abschnitt oben „Großunternehmen“
Anders sieht das bei den austauschbaren Bilderwelten als Orientierungs-Elemente aus. Als kleine Teaser für Unterseiten oder Artikel, als Ergänzung bei viel Fließtext haben sie durchaus ihre Berechtigung. Aber bitte nur dort!
Beispiele für austauschbare Bilderwelten
(Klick aufs Bild enttarnt die Unternehmen):

Wow, zirkusreife Nummer dieser Fisch. Blöderweise hätte bald jeder Zirkus diese Nummer, da das Bild entsprechend häufig im Einsatz ist!

Gleich sechs glückliche brave Menschen am Meeting-Tisch. Wie realistisch…

Warum nur ein Klischee-Bild einsetzen, wenn sich gleich eine ganze Montage aus 10 Klischee-Bildern bauen läßt? Business-Woman und Business-Man par excellence.

Und da ist sie dann auch schon wieder! Glückwunsch.

Etwas moderner ist schon der Scribbler. Ob er weiß, dass er spiegelverkehrt zeichnen muss, damit es der Anwender lesen kann?

Mh, ist es nicht so, dass sie genau genommen in die falsche Richtung schreibt?

Zwar selten gesehen, muss man aber auch nicht öfters. Denn was will das Bild uns sagen? Ich weiß es nicht!

Für eine „Consulting Group“. Aha!

Wir sehen nicht nur verdammt gut aus! Wir wissen das auch! Auch in Kassel und Kleve!

Strahlend weißes Lachen. Oben und unten. Gestellter und unrealistischer geht es kaum.

Auch ein Klassiker: Die vierköpfige Familie, die immer gut drauf ist.

Bemüht zeigt sich die Commerzbank. Zwar austauschbare Bilderwelt, aber geschickt das eigene Logo eingebaut und so doch eine Eigenständigkeit hinbekommen!
Austauschbare Bilderwelten als Orientierungselemente:

Ratiopharm zeigt wie Bilder das Augenmerk auf die einzelnen Teaser werfen können. Und hier mögen die austauschbaren Bilderwelten auch durchaus ihre Berechtigung haben!
Trends
Slider
Es gibt ja immer wieder verschiedene Trends im Webdesign. Einer davon ist aktuell große Bilder-Slider im Header einzusetzen. Das hat den Vorteil, dass man sich nicht auf ein Thema / Bild beschränken muss und gleich für Abwechslung auf der Seite gesorgt ist. Andererseits besteht die Gefahr, dass inhaltliche Aussagen verwaschen werden durch Quantität. Der Slider-Aufbau ist fast immer gleich: Rechtecke Bilder, die meistens über die ganze Inhaltsspalte gehen, fahren nach links oder rechts raus und der nächste Content kommt rein:
Es gibt auch tolle Varianten, die nicht ganz diesem klassischem Slider-Layout folgen:
http://rickardsund.com/new-styleby/1/
Weitere Slider-Galerien
http://www.onextrapixel.com/2009/05/25/18-inspirational-image-content-sliders-design-showcases/
http://www.elmastudio.de/inspiration/webdesign-trends-grose-bilder-slider/
Große Hintergundfotos
In der letzten Folge ging es auch um die Ladegeschwindigkeit von Webseiten, aber seit sich DSL weit verbreitet hat, werden vermehrt auch großflächig Bilder eingesetzt. Was vorher nur aus Printanzeigen oder logischerweise dem Fernsehen bekannt war, läßt sich nun auch als Gestalungselement im Web einsetzen Die emotionale Wirkung ist enorm, die Wiedererkennung und Prägnanz auch, wie diese Exemplare sehr schön zeigen:

http://www.eastvillageeatery.de/

http://esbueno.noahstokes.com/

http://www.ernesthemingwaycollection.com/

http://www.alley-pfannekuchen.de/feste.htm

http://www.bowvalleyclub.com/dining
Ausblick: In der nächste Folge dieser Serie zeige ich einige tolle Beispiele von Unternehmen / Webseiten, die es geschafft haben (be)merkenswerte Bilderwelten zu kreieren.









19 Okt ’11 um 19:25 Uhr
Hallo,
ein toller Artikel!
ich freue mich schon auf den zweiten Teil.
Grüße aus WI
gaja.ink
28 Okt ’11 um 15:42 Uhr
Freut mich, dass er dir gefällt. Der nächste Artikel wäre sogar schon der vierte Teil der Serie