journal.hahnsinn

Bilderwelten im Web – Status quo & Trends

| 2 Kommentare

Artikel 3 von 3 in der Serie Bilderwelten im Web

Mit wel­chen Bilderwelten tre­ten exem­pla­ri­sche Großunternehmen im Web auf? Was sind aus­tausch­bare Bilderwelten und wel­che Trends beim Einsatz von Bildern gibt es aktu­ell im Web? Diese Folge der Reihe „Bilderwelten im Web“ gibt einen Über­blick über den Status quo, zumin­dest einen klei­nen Ausschnitt:

Bilder bei Großunternehmen


Zuerst ein Blick auf einige Großunternehmen. Aufgrund ihrer Präsenz in den ver­schie­dens­ten Medien (Printanzeigen, Fernsehwerbung etc.) sind ihre Kommunikationsauftritte bekannt, da all­ge­gen­wär­tig. Die Kampagne „Print wirkt“ des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger führt seit Jahren vor, wie ein­präg­sam mar­kante Bilderwelten sein kön­nen. Voraussetzung dafür ist aber ein ent­spre­chend häu­fi­ger Kontakt mit den Motiven durch Werbung (Print und TV), oft sogar über viele Jahre hin­weg. Mal schauen, wie es bei den Online-Auftritten ausschaut:

Wempe


Großformatige Bilder, die die Atmosphäre der Wempe-Kommunikation naht­los auf­nimmt, aber auch ohne Kenntnisse der Werbeanzeigen ein­wand­frei funk­tio­niert. Die Webseite ansons­ten wirkt zwar nicht mehr ganz tau­frisch, aber darum geht es hier ja heute nicht!
Wempe

Ratiopharm


Rationpharm, gute Preise, gute Webseite? Auf jeden Fall keine guten Bilder! Die Klischee-Zwillinge tau­chen nur im Content pixel­weise auf. Was ja nicht wei­ter schlimm wäre, wären die ande­ren im Header ein­ge­setz­ten Bilder auch nur ansatz­weise mar­kant oder indi­vi­du­ell. Aber hier wurde wohl eher Wert dar­auf gelegt, dass eine Flash-Animation drin ist… Chance ver­passt!
Ratiopharm

Ergo


Nein, bei den ein­ge­setz­ten Bildwelten geht es weder um die in der Werbung viel­be­wor­bene Zahnzusatzversicherung, noch um die zwei­fel­haf­ten Vertriebsausflüge des Ergo-Vorgängers Hamburg-Mannheimer. Es sind zwar nette Fotos, der Bezug zu Ergo fin­det aber alleine durch die orga­ni­schen Formen statt. Immerhin…
Ergo

Jever


Die Umsetzung der Webseite über­zeugt zwar nicht, aber das Jever-Land ist sofort zu erken­nen. Und das noch in ver­schie­de­nen Varianten. Bildwelt top!
Jever

Lufthansa


Ich muss zuge­ben, die Lufthansa-Anzeigen waren mir erst­mal nicht geläu­fig, obwohl doch irgend­wie schon oft gese­hen. Aber die Prinzenrolle in Indien auf der Startseite machts da auch nicht bes­ser. Schade!
Lufthansa

Telekom


Da wurde schon der seit Jahren durchs Netz geis­ternde und immer wie­der begeis­ternde Tilt-Shift-Effekt für die Werbung aus­ge­nutzt, aber auf der Website ist davon lei­der nichts zu fin­den. Über­haupt scheint man den Einsatz von Bildwelten ande­ren zu über­las­sen. Schade!
Telekom

Edeka


Die Schiefertafeln hat sich Edeka ja zu eigen gemacht, der Rest ist dann ein Potpourri an bun­ten Bildern. Warum eigent­lich?
Edeka

Krombacher


Ich weiß auch nicht warum, aber immer wenn ich die Aggertalsperre sehe, muss ich immer an „Rot vor Silber“ den­ken. Egal. Die Bilderwelt erscheint zwar irgend­wie unscharf, aber wie­der­er­kenn­bar. So sollte es sein!
Krombacher

Hermes


Hat Hermes eine Bilderwelt? Schaltet Hermes über­haupt Anzeigen? Zumindest das Image könnte bes­ser sein! Egal, das blaue Paket funk­tio­niert super. Sehr hohe Wiederkennung und viel­sei­tig ein­setz­bar. Geht doch!
Hermes

Postbank


Ein Haufen moder­ner Bilder, kei­nes mit Wiedererkennungsfaktor. Wenigstens die Farben zei­gen einem, mit wem man es hier zu tun hat!
Postbank

Deutsche Bahn


Die Bahn kommt — mit Klischeebildern. Leider nichts eige­nes. Schade!
Deutsche Bahn

Fazit Bilderwelten Großunternehmen

Dieser nicht reprä­sen­ta­tive Über­blick zeigt, dass die Thematik & Bedeutung ein­heit­li­cher Bidlerwelten noch nicht wirk­lich bei den Unternehmen ange­kom­men ist. Offline-Kommunikation und Webseite spie­len da noch zu sel­ten Ping-Pong. Ich würde mei­nen: ver­schenk­tes Potential!

Austauschbare Bilderwelten – Fluch & Segen der Bildkataloge

Allgemeine Unternehmensbilder auf Webseiten sind zu oft aus­tausch­bar, gerade wenn — oder bes­ser weil — sie aus Bildkatalogen stam­men. Für geringe Kosten bekommt man hier pro­fes­sio­nelle Fotos ohne groß ein­ge­schränkte Nutzungsrechte. Im Vergleich zu frü­he­ren Jahren als gedruckte Bildkataloge stun­den­lang gewälzt wur­den, um dann erst die Nutzungsrechte und damit die Kosten zu klä­ren, ein Segen. Als Folge tau­chen die aus­ge­wähl­ten Bilder dann aber nicht nur auf der eige­nen Seite auf, son­dern gleich auf meh­re­ren. Denn fast jedes Unternehmen hat die Idee / Vorstellung von Bildern „mit jun­gen fröh­li­chen gut­aus­se­hen­den Menschen, die nett zuam­men vor dem Laptop sit­zen und gemein­sam sur­fen oder ein ent­spann­tes Meeting hal­ten“ oder ähnli­ches. Man könnte fast mei­nen, fernab jeg­li­cher Realität! Aber egal, hier wird es eh zum Fluch, denn mit Eigenständigkeit & Wiedererkennungeffekt haben diese Bilder auch sel­ten was zu tun.

Unterscheiden sollte man dann hier das Einsatzgebiet die­ser aus­tausch­ba­ren Bilderwelten. Im Header als Erkennungsmerkmal finde ich sol­che Bilder deplat­ziert. Hier sind sie in mei­nen Augen Fluch, zwar kann sicher je nach Motiv eine hohe Emotionalisierung erreicht wer­den, aber eben keine hohe Wiedererkennung oder Differenzierung. Siehe den Abschnitt oben „Großunternehmen“
Anders sieht das bei den aus­tausch­ba­ren Bilderwelten als Orientierungs-Elemente aus. Als kleine Teaser für Unterseiten oder Artikel, als Ergänzung bei viel Fließtext haben sie durch­aus ihre Berechtigung. Aber bitte nur dort!

Beispiele für aus­tausch­bare Bilderwelten

(Klick aufs Bild ent­tarnt die Unternehmen):


Wow, zir­kus­reife Nummer die­ser Fisch. Blöderweise hätte bald jeder Zirkus diese Nummer, da das Bild ent­spre­chend häu­fig im Einsatz ist!


Gleich sechs glück­li­che brave Menschen am Meeting-Tisch. Wie realistisch…


Warum nur ein Klischee-Bild ein­set­zen, wenn sich gleich eine ganze Montage aus 10 Klischee-Bildern bauen läßt? Business-Woman und Business-Man par excel­lence.


Und da ist sie dann auch schon wie­der! Glückwunsch.


Etwas moder­ner ist schon der Scribbler. Ob er weiß, dass er spie­gel­ver­kehrt zeich­nen muss, damit es der Anwender lesen kann?


Mh, ist es nicht so, dass sie genau genom­men in die fal­sche Richtung schreibt?


Zwar sel­ten gese­hen, muss man aber auch nicht öfters. Denn was will das Bild uns sagen? Ich weiß es nicht!


Für eine „Consulting Group“. Aha!


Wir sehen nicht nur ver­dammt gut aus! Wir wis­sen das auch! Auch in Kassel und Kleve!


Strahlend wei­ßes Lachen. Oben und unten. Gestellter und unrea­lis­ti­scher geht es kaum.


Auch ein Klassiker: Die vier­köp­fige Familie, die immer gut drauf ist.


Bemüht zeigt sich die Commerzbank. Zwar aus­tausch­bare Bilderwelt, aber geschickt das eigene Logo ein­ge­baut und so doch eine Eigenständigkeit hinbekommen!

Austauschbare Bilderwelten als Orientierungselemente:


Ratiopharm zeigt wie Bilder das Augenmerk auf die ein­zel­nen Teaser wer­fen kön­nen. Und hier mögen die aus­tausch­ba­ren Bilderwelten auch durch­aus ihre Berechtigung haben!

Trends

Slider

Es gibt ja immer wie­der ver­schie­dene Trends im Webdesign. Einer davon ist aktu­ell große Bilder-Slider im Header ein­zu­set­zen. Das hat den Vorteil, dass man sich nicht auf ein Thema / Bild beschrän­ken muss und gleich für Abwechslung auf der Seite gesorgt ist. Andererseits besteht die Gefahr, dass inhalt­li­che Aussagen ver­wa­schen wer­den durch Quantität. Der Slider-Aufbau ist fast immer gleich: Rechtecke Bilder, die meis­tens über die ganze Inhaltsspalte gehen, fah­ren nach links oder rechts raus und der nächste Content kommt rein:

http://www.hurcoind.com/

http://www.thinkfa.com/

Es gibt auch tolle Varianten, die nicht ganz die­sem klas­si­schem Slider-Layout folgen:


http://www.ad60.com/

http://www.hjelle.no/

http://www.helmandafgn.com/

http://rickardsund.com/new-styleby/1/

Weitere Slider-Galerien

http://www.onextrapixel.com/2009/05/25/18-inspirational-image-content-sliders-design-showcases/

http://www.elmastudio.de/inspiration/webdesign-trends-grose-bilder-slider/

Große Hintergundfotos

In der letz­ten Folge ging es auch um die Ladegeschwindigkeit von Webseiten, aber seit sich DSL weit ver­brei­tet hat, wer­den ver­mehrt auch groß­flä­chig Bilder ein­ge­setzt. Was vor­her nur aus Printanzeigen oder logi­scher­weise dem Fernsehen bekannt war, läßt sich nun auch als Gestalungselement im Web ein­set­zen Die emo­tio­nale Wirkung ist enorm, die Wiedererkennung und Prägnanz auch, wie diese Exemplare sehr schön zeigen:


http://www.eastvillageeatery.de/


http://esbueno.noahstokes.com/


http://www.ernesthemingwaycollection.com/


http://www.alley-pfannekuchen.de/feste.htm


http://www.bowvalleyclub.com/dining


http://www.thinkmoto.de/

Ausblick: In der nächste Folge die­ser Serie zeige ich einige tolle Beispiele von Unternehmen / Webseiten, die es geschafft haben (be)merkenswerte Bilderwelten zu kreieren.



Vorheriger Artikel der Serie:«Bilderwelten im Web — Eigenschaften & Besonderheiten
Nächster Artikel der Serie:

2 Kommentare

  1. Hallo,

    ein tol­ler Artikel!
    ich freue mich schon auf den zwei­ten Teil.

    Grüße aus WI
    gaja.ink

  2. Freut mich, dass er dir gefällt. Der nächste Artikel wäre sogar schon der vierte Teil der Serie ;)

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*