journal.hahnsinn

Ein Plädoyer für
gutes Webdesign

„Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wol­len, dass es irgend­je­mand erfährt, soll­ten Sie es viel­leicht ohne­hin nicht tun.“

Eric Schmidt (bis April 2011 Chief Executive Officer von Google)

23.09 2011

Webdesign-Prinzipien: Horizontales Scrollen

Ein „No-Go“ auf Webseiten ist eigent­lich seit Anbeginn des Webdesigns eine hori­zon­tale Scrollleiste. Verachtende Blicke sei­tens des Kundens, der Vorgesetzten, Kollegen waren sicher, wenn bei der HTML-Umsetzung eine Scrolleiste an der fal­schen Stelle auf­tauchte. Geschweige denn, wenn bei der Konzeption oder beim Design ein bewuss­tes hoi­zon­ta­les Scrollen ein­ge­plant wurde.

Dieses Prinzip rührt his­to­risch zum einen auf der Tatsache, dass Mäuse (lange) keine Möglichkeit anbo­ten hori­zon­tal zu scrol­len. Zum ande­ren geht es gegen die im Laufe der (Internet-)Jahre vom Anwender gelern­ten Leserichtung, die auf fast 100% der Webseiten nach unten führt und auch ein akzep­tier­tes und schnell ver­in­ner­lich­tes ver­ti­ka­les Scrollen mit sich brachte.

Dagegen ste­hen die klas­si­chen Printpublikationen, bei denen das hori­zon­tale Scrollen, sprich „Blättern“, auch intui­tiv ist und kei­ner auf die Idee käme Magazine ver­ti­kal blät­ternd zu pro­du­zie­ren (obwohl es es mal eine pfif­fige Idee wäre..).

So aber sind hori­zon­tale Scrolleisten bis heute ver­pönt. Fast über­all, denn die unge­schrie­bene Regel hat natür­lich ihre Ausnahmen. Die genau da lie­gen, wo das hori­zon­tale Scrollen nicht ner­vig oder müh­se­lig ist, weil viel­leicht nur wenige Wörter nicht zu lesen sind oder es ein­fach auf schlech­ter HTML-/CSS-Umsetzung beruht. Die Ausnahmen sind da, wo es als Stilmittel ein­ge­setzt wird, wo bewusst eine andere Art der Benutzerführung gesucht wurde, wo sich die Seite bewusst auch durch die Benutzerführung unter­schei­den soll und eben nicht nur durch das Design und die Inhalte.

Case Studies:

Un.titled

Portfolio-Präsentationen sind eine Paradebeispiel für den Einsatz von hori­zon­ta­len Scrollleisten. Bei Un.tittled wer­den die Projekte anspre­chend neben­ein­an­der ange­ord­net. Optisch ist die Seite sowieso ein Leckerbissen. Leider aber in Flash umge­setzt, so dass mein Trackpad schon nicht mehr will… Also tolle Idee, Umsetzung mit Spielraum nach oben.

http://un.titled.co.uk/

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GOOD: Teamvorstellung


Schön gemachte Präsentation des über 40köpfigen Teams. Farbliche Balken prä­sen­tie­ren die Täigkeitsbereiche. Bei Auswahl wer­den die in die­sem Bereiche nicht akti­ven Teammitglieder aus­ge­graut. Optisch sehr anspre­chend mit fri­scher Farbkombination und ange­nehm spie­le­ri­scher Umsetzung. Daumen hoch!

Arc90

Zehn Thesen für gutes Design

Dieter Rams hat in den frü­hen 1980er Jahren zehn Thesen auf­ge­stellt, was gutes Design für ihn aus­zeich­net. Noch immer zeit­los und auch auf Webdesign unein­ge­schränkt über­trag­bar:

1. Gutes Design ist inno­va­tiv.
2. Gutes Design macht ein Produkt ver­ständ­lich.
3. Gutes Design ist ästhe­tisch.
4. Gutes Design macht ein Produkt brauch­bar.
5. Gutes Design ist unauf­dring­lich.
6. Gutes Design ist ehr­lich.
7. Gutes Design ist lang­le­big.
8. Gutes Design ist kon­se­quent bis ins letzte Detail.
9. Gutes Design ist umwelt­freund­lich.
10. Gutes Design ist sowe­nig Design wie möglich.

Wikipedia Eintrag Dieter Rams

FAIL: Voraussetzungen erwarten


Ich dachte so etwas wäre schon lange aus dem Netz ver­schwun­den, aber ich musste mich eines Besseren beleh­ren las­sen: Die „Voraussetzungen“: Bildschirm 1024x768px, Internet Explorer 5.x, Macromedia Flash Player! Gut, die Webseite scheint älter zu sein. Ein der­ma­ßen lang­sa­mes Flash-Menü würde heute kei­ner mehr bauen. Aber vom IE5 zu reden, nein, das ist nur noch pein­lich. Da ist es dann auch schon fast egal, dass man einen Link namens „zum Internetauftritt“ kli­cken darf, damit die eigent­lich Seite sich in einem neuen! Fenster öffnet. Eindeutiger geht der Daumen nicht run­ter!
Die Typen, Mannheim

Verläufe in Webdesigns — Beispiele & Erläuterungen

Es gab Zeiten, da waren Verläufe in Designs ver­pönt: „Hat der Grafiker nix drauf, macht er schnell einen Verlauf“. Spätestens seit dem typi­schen web2.0-Stil, bei dem Logos und die Screendesigns mit Spiegelungen, Schatteneffekten und Verläufen ver­se­hen wur­den, gehö­ren Verläufe zu fast jedem Screendesign dazu. Aber: Verlauf ist nicht gleich Verlauf!

Die Hauptwirkung eines Verlaufes liegt vor allem in der dadurch ent­ste­hen­den räum­li­chen Tiefe. Neben Texturen und Bildern bie­ten Verläufe damit eine groß­ar­tige und vor allem recht ein­fach ein­zu­set­zende gra­fi­sche Möglichkeit Webdesigns eine Haptik zu geben. Und diese Haptik sorgt ent­schei­dend für die Wirkung des Webdesigns auf den Betrachter.

Gelungene Beispiele für Verläufe in Screendesigns:

Allen Beispielen gemein ist der fast unmerk­li­che Einsatz von Verläufen, die sich zwi­schen zwei sehr sehr ähnli­chen Farbwerten voll­zie­hen. Damit wird eine dezente räum­li­che Tiefe erreicht, wel­che die Webdesigns aber (dezent) leb­haft machen.
Von die­ser Art Verläufe wim­melt es nur so im Netz. Man könnte fast sagen sie gehö­ren zum moder­nen Webdesign-Standard.

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Webdesign-Prinzipien: Der erste Eindruck

Was für die Begegnung zwi­schen Menschen gilt, gilt auch für die Interaktion Mensch-Maschine und spe­zi­ell für den ers­ten Eindruck, den eine Webseite beim Anwender hin­ter­läßt (ob das anders­rum auch getes­tet wer­den kann?).
50 Millisekunden — das ist nicht wirk­lich lange, also unge­fähr ein Augenaufschlag oder 1/20 einer Sekunde. Diese Zeitspanne hat eine Webseite laut Studie, um einen ers­ten Eindruck zu schin­den. Innerhalb die­ser Spanne bil­det sich der Anwender sein ers­tes Urteil über die Seite. Ein allein ästhe­ti­sches Urteil, denn — logi­scher­weise — Inhalt wird er da noch nicht auf­ge­nom­men haben. Ein ästhe­ti­scher Eindruck, der aber die wei­te­ren Eindrücke, wie Struktur / Aufbau der Seite, Inhalte etc. ent­schei­dend mit beein­flusst. Je posi­ti­ver der erste Eindruck ist, umso auf­ge­schlos­se­ner ist der Anwender den wei­te­ren Eindrücken gegenüber.

Die Begegnung mit einer Webseite ähnelt der ers­ten Begegnung mit einem Menschen. In Sekundenbruchteilen haben wir einen ers­ten Eindruck gewonnen.

Ein Phänomen, dass jeder von der ers­ten Begegnung mit ande­ren Menschen kennt. Lernen wir einen für uns neuen Menschen ken­nen, haben wir in Sekundenbruchteilen einen ers­ten Eindruck gewon­nen, der eben auch nur opti­scher Natur ist. Wir ord­nen wir ihn aber sofort in von uns gelernte Kategorien ein („Schubladen“ fände ich eine schöne Metapher). Der erste Eindruck sitzt sofort, sym­pa­thisch oder unsy­mapt­hisch. Und so sind wir von die­sem ers­ten Sympathie-Eindruck stark beein­flusst beim wei­te­ren Kennenlernen der Person. Je nach­dem wie fest die Schublade ist, also wie auf­ge­schlos­sen oder ver­schlos­sen wir ins­ge­samt sind, wird es der Person mehr oder weni­ger leicht fal­len aus die­ser Kategorisierung wie­der rauszukommen.

Laut einer Studie ändert sich die­ser erste Webseiten-Eindruck wäh­rend des wei­te­ren Surfens nur gering­fü­gig. Sitzt der Eindruck erst­mal, ist es anschei­nend schwer die­sen noch zu beein­flus­sen, zu ver­än­dern. Dies zeigt, wie wich­tig eine optisch anspre­chende, har­mo­ni­sche Webseitengestaltung ist. Das Design oder bes­ser aus­ge­drückt die Tonality oder das Look & Feel muss auch unab­hän­gig von der Benutzbarkeit der Webseite wir­ken, alles bevor der Nutzer über­haupt erst Details gese­hen, geschweige denn gele­sen hat.
Der erste Eindruck ent­schei­det aller­dings nicht dar­über, wie lange der User auf der Webseite bleibt und ob und wie­viel Inhalt er auf­nimmt. Innerhalb der ers­ten Millisekunden kann der Anwender zum Glück noch kein Browserfenster wie­der schlie­ßen. Für die wei­te­ren Eindrücke und dar­aus fol­gende Entscheidungen nimmt er sich zum Glück etwas mehr Zeit.
Dazu aber mehr in spä­te­ren Webdesign-Prinzipien…

Bericht über die Ergebnisse der Studie:
http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/4616700.stm